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Salmünsterer Schülerinnen und Schüler bei Bus-Training

Beim Bus-Training an der Henry-Harnischfeger-Schule in Salmünster lernen die Fünftklässler am Mittwoch und Donnerstag, wie sie sicher Bus fahren. Wir haben die 23 Mädchen der 5a begleitet.

„Neeein, bitte nicht“, schreit Meltem und klammert sich an ihrem Sitz fest. Ihre kleinen Hände finden nicht sofort Halt. Hektisch schaut sie sich um, ihre Augen weit aufgerissen. Doch dann grinst sie und gluckst aufgeregt. Busfahrer Thomas Hilly hat vor wenigen Sekunden eine Notbremsung bei 20 Stundenkilometern angekündigt.


Ein routinemäßiger Programmpunkt auf den Busschulungen, die Hilly heute für die 5a der Harnischfeger-Schule gibt. Caroline Böhm von der Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig unterstützt ihn. Und schon drückt Hilly mit voller Kraft auf die Bremse. Die kleinen Hände der Schülerinnen finden Halt an den Stangen und Sitzen, an denen sie sich festhalten. Dennoch kreischen sie ohrenbetäubend. „Oh Gott! Ich hab mich so erschrocken“, schreit Lisa (10). „Erschrocken? Das war der Schock meines Lebens“, brüllt Meltem. „Bitte nicht nochmal machen“ ruft sie. „Nochmal?,“ rufen viele aufgeschreckt.

Sicherheit hat Priorität

 

„Wir möchten den Kindern keine Angst machen, aber sie abschrecken, damit sie sich festhalten und ihnen nichts passiert“, erklärt Caroline Böhm. Dass sie und Hilly nur das Beste für die kleinen Fahrgäste wollen, merkt man auch, als Hilly ihnen erklärt, warum Essen und Trinken im Bus verboten ist. Dass der Bus dadurch beschmutzt würde sei nicht schön, aber in erster Linie gehe es um ihre Sicherheit. „Bei einer Vollbremsung könntet ihr zum Beispiel euer Brot verschlucken“, sagt der 54-Jährige. Ein leises Kichern ertönt. Die Schülerinnen scheinen sich schnell von ihrem Schock erholt zu haben und die Gefahr nicht zu begreifen. Also geht Hilly ins Detail: „Ich nehme im Bus jeden mit, der eine Fahrkarte hat. Auch betrunkene Obdachlose, die oft vergessen, dass der Bus keine Toilette ist“. „Igitt“, ruft Meltem. „Und dann setzt ihr euch vielleicht auf den gleichen Sitz wie der Obdachlose und beißt in euer Nutellabrot“, ergänzt der Busfahrer. „Das ist ja total widerlich. Ich esse nie wieder im Bus“, sagt Katharina (11). Hilly grinst zufrieden und legt einen kurzen Zwischenstopp ein.

Nun dürfen einige hinter dem Lenkrad Platz nehmen. Andere sollen sich auf den Boden vor den Bus legen. „Hilfe, ich bin gefallen“, schauspielert Meltem und grinst. „Das ist nicht lustig“, sagt Böhm. Ein Mann sei letztens fast vom Bus überfahren worden, weil er davor gestolpert sei. „War der Mann tot?“, rufen alle aufgeregt durcheinander. Hilly beschwichtigt, es sei nichts passiert und erklärt: „Direkt vor dem Bus und hinter den Mittelreifen kann ich auch durch die Spiegel nichts sehen.“ „Stimmt“, bestätigt die zehnjährige Marie stolz auf dem Fahrersitz. Doch nun übernimmt wieder der Chef und der Bus schlängelt sich zurück zur Schule.

„Da trau’ ich mich nie wieder rein“, meint Meltem und springt aus dem Bus. „Ach quatsch, du musst dich einfach nur festhalten“, beruhigt Marie sie. „Ja, und wenn der noch mal so böse bremst, hol’ ich meinen Anwalt“, grinst Meltem.
Aufgeregt beschließen die Schülerinnen sich in Zukunft während der Fahrt festzuhalten und nicht mehr im Bus zu essen. Hilly und Böhm freuen sich: „Wenn sie nur einen Funken von heute mitnehmen, sind wir glücklich (Kinzigtal-Nachrichten 18.08.11)