Jahrgang 10 der Henry-Harnischfeger-Schule gedenkt den 15.000 Opfern der „Euthanasie“-Morde in Hadamar

Der Jahrgang 10 der Henry-Harnischfeger-Schule Bad Soden-Salmünster besuchte die ehemalige NS-Tötungsanstalt in Hadamar bei Limburg, in der von den Nationalsozialisten in den 1940er Jahren 15.000 Menschen mit Behinderungen, psychischen Erkrankungen oder Kriegstraumata durch Gas und Giftinjektionen getötet wurden.

Die heutige Gedenkstätte Hadamar beeindruckte die Jugendlichen auf grausame Art. Tamina Weiß, Schülersprecherin der Salmünsterer Integrierten Gesamtschule, beschreibt in der Auswertung, wie es ihr erging, als sie die Gaskammer sah: „1941 wurden hier täglich bis zu 100 Menschen durch Kohlenmonoxid getötet. Es ist so beklemmend und bedrückend, sich dies vorzustellen“, sagt sie. Auch die Klassensprecherin der 10d, Konstanze Erbe-Dietz, ist fassungslos und erklärt, dass das Betrachten der noch original vorhandenen Fliesen der Gaskammer einen Schauer über ihren Rücken laufen lässt. Philipp Hermann aus Klasse 10c beschäftigt es auch am darauffolgenden Tag noch sehr, dass es in der NS-Zeit jeden und jede hätte treffen können. „Eine Diktatur macht mit ihren Grausamkeiten vor keiner Menschengruppe halt. Sich seines Lebens sicher sein kann sich niemand. Alleine die Tatsache, Leben in wertes und unwertes Leben einzuteilen, ist menschenverachtend“, so der Schüler.

Am Kinderfriedhof und an einer Stele mit der Inschrift „Mensch, achte den Menschen“ legten die Klassen zum Gedenken an die vielen Opfer Blumen nieder. Besonders berührte eine Geschichte die Schülerinnen und Schüler: Zwei Brüder, die im gleichen Alter wie sie selbst waren, wurden kurz nacheinander getötet. Die Mutter der beiden wollte wegen des aufkommenden Zweifels nach dem Tod eines Sohnes den anderen nach Hause holen. Dies wurde schriftlich abgelehnt. Kurz darauf ging ein weiterer Brief bei ihr ein, der den Tod ihres anderen Sohnes bedauerte. Beide wurden – wie sich nach Kriegsende herausstellte- von Ärzten und Pflegern getötet. „Die Tötungen der Menschen wurden durch gefälschte Diagnosen und Todessursachen verschleiert.“, berichtet Konstanze Erbe-Dietz. Tamea Langer, ebenfalls Schülersprecherin der Henry-Harnischfeger-Schule, sieht einen klaren Auftrag an alle in Deutschland Lebenden: „Wir dürfen nie vergessen, was im Nationalsozialismus passierte. Jeder Jugendliche sollte sich eine Gedenkstätte anschauen, damit man daraus lernen kann und wachsam ist, damit dies nie wieder passieren kann.“

Auch den Klassenlehrern Nicole Dönges, Steffen Auth, Julia Czech und Sabine Haar ist es ein Bedürfnis regelmäßig Gedenkstätten aufzusuchen: „Auch Erwachsene sollten die Chance ergreifen, geschichtliche Lernorte aufzusuchen und sich dadurch die Errungenschaften von Demokratie und Freiheit jederzeit vor Augen halten.“, sind sich die Lehrer einig.

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Fotos: Schülerinnen und Schüler des Jahrgang 10 der Henry-Harnischfeger-Schule legen Blumen für die Opfer in Hadamar nieder.